Wie neues Wohnen entsteht

Wie neues Wohnen entsteht

Auf die Initiative eines privaten Bauherren hin, planen wir einen neuen Gebäudekomplex aus Bestand- und Neubau, der dem Berliner Wohnungsnotstand entgegen wirken und ein zeitgemäßes und bezahlbares Wohnen ermöglichen soll.

Das Wohnessemble befindet sich in Treptow. An einer prominenten Stelle soll das freie Eckgrundstück einer Blockrandbebauung neu beplant werden und so die beiden dazugehörigen Bestandswohnhäuser verbinden. Die Eckbebauung wird durch ein weiteres neues Gartenhaus ergänzt. Außerdem erhält die gesamte straßenseitige Bebauung ein bewohnbares Dachgeschoss.

Vom Großen ins Kleine

Die Eckschließung soll der Präsenz im Stadtraum gerecht werden, sich aber gleichzeitig optisch in die Bestandsstruktur integrieren. Es entstand der Wunsch den gewachsenen Ort mit Respekt vor dem Vorgefundenen, um ein passendes Puzzle-Stück aus heutiger Zeit zu ergänzen. Ein Gebäude von gegenüber, mit seiner Fassade aus den 30ern, dient als Vorbild. Um der vertikalen Ordnung der Blockstruktur zu entsprechen, wird in der Eckschließung auf ein Geschoss verzichtet. Man bleibt bei den vier Geschossen der Nachbarbebauungen und der für Berliner Altbauten typischen Deckenhöhen. Die Fassadengliederung besteht somit aus dem klassischen Aufbau aus Fuß/ Ladenzone, Körper/ Obergeschossen und dem Kopf/Dach.

So wurde der Planungsprozess von außen nach innen gestartet und der zur Verfügung stehende Raum aufgrund äußerer Gegebenheiten definiert. Auf dieser Basis konnte weiter über die innere Nutzung nachgedacht werden.

Wie wollen wir in Zukunft wohnen?

Das Quartier zeichnet sich durch eine durchmischte Bevölkerungsstruktur aus. Auch in Treptow wird Wohnraum langfristig teurer werden. Für zukunftsfähige Grundrisse muss man über die räumlichen Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzergruppen nachdenken. Wie können Wohnungen gestaltet sein, damit sie sich den Bewohnern anpassen können?

Meist unterscheiden sich moderne Loftwohnungen zu traditionellen Gründerzeitwohnungen durch die Gewichtung zwischen privatem Rückzugsraum und Gemeinschaftsräumen. Im Loft gibt es die tragende offene Gemeinschaftsfläche kombiniert mit oft kleineren Schlafräumen. In den Gründerzeitwohnungen sind die repräsentativen Zimmer ähnlich groß und haben keine konkrete Nutzungszuweisung.
Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die Qualitäten beider Varianten für verschiedene Nutzerstrukturen zu vereinen. Eine Lösung kann die Verwendung von modularen Wandsystemen sein, mit denen die Raumgrößen bedarfsgerecht verändert werden können.

Wie so oft im klassischen Stadtraum, findet sich nach vorne zur Straße hin eine erhöhte Lärmbelastung, während es nach hinten zum Hof erholsam ruhig ist. Durch die Eckbebauung kann es nur eine relativ kleine Fassadenfläche zum Hof hin geben, was die Planung der Grundrissstruktur deutlich erschwert. Unser Entwurf ermöglicht allen Wohnungen einen Zugang zu den Austritten auf der Hofseite und daher Ruhe und das Licht aus 2 bis 3 Himmelsrichtungen. Die klare Zonenaufteilung ermöglicht ein lesbares Bild aus Großzügigkeit, Komfort und Rückzugsbereichen. Da die Menschen mit immer weniger Möbeln umziehen, werden die Räume mit Einbauschränken ausgestattet werden, die eine maximale Stauraumnutzung ermöglichen.

Im 4-geschossigen Gartenhaus entstehen Zwei-Zimmer Atelierwohnungen mit offener Fassade in Nord-West-Ausrichtung. Aus einem nachhaltigen Ansatz heraus, fällt hier die baukonstruktive Entscheidung auf die Verwendung von Holz als formgebendes Material. Um die Baulücke zwischen Gartenhaus und Bestandsgebäude zu schließen, werden Terrassen für die Wohnungen im Vorderhaus errichtet.

BGF: 2.809 m²
NUF (WF): 1.561 m²
BRI: 8.296 m³
Planungs- & Bauzeit:
Planungsbeginn Sommer 2019, Baubeginn Herbst 2020

Text: Caroline Prange
Bilder: © Albane de la Villegeorges