Radewege, eine Dorfkirche aus dem Spätmittelalter

Radewege, eine Dorfkirche aus dem Spätmittelalter

Die denkmalgerechte Sanierung der Dorfkirche im brandenburgischen Radewege ist ein Projekt, bei dem alles zusammenkommt, was die Arbeit eines Architekten interessant macht. Auf den ersten Blick steht dort eine Dorfkirche wie viele andere. Auf den zweiten Blick ist die Kirche jedoch ein beeindruckendes Beispiel mittelalterlicher Handwerkskunst.

Zitat Markus Cante (Brandenburgisches Landamt für Denkmalpflege):

„In Radewege befindet sich eine der bemerkenswertesten Landkirchen der Region. Sie steht, leicht erhöht, und vom Kirchhof umgeben. Als Blickpunkt in der Landschaft ist sie optisch, in gerader Linie über den See hinweg, auch mit der Stadt Brandenburg verbunden. Als einheitlicher spätgotischer Bau unterscheidet sich die Radeweger Kirche von der Masse brandenburgischer Dorfkirchen.“

Und die Sensation: Ein intaktes, germanisches Kehlbalkendach

Die Aufgabe war, den Dachstuhl zu sanieren, das Kirchendach neu einzudecken und die Entwässerung der Dachflächen zu erneuern. Als bauhistorisch bedeutend stellte sich in der Planungsphase die bauzeitliche Dachkonstruktion des Kirchenschiffes dar. Eine dendrochonologische Untersuchung datierte die Entstehungszeit des Dachstuhls ins ausgehende Mittelalter. In handbehauenem Nadelholz errichtet, stellt der Dachstuhl in seiner Form und mit seinen Verbindungen/Verblattungen ein hochkarätiges Beispiel ländlicher Zimmermannskunst des ausgehenden Mittelalters dar. Keine unsachgemäßen Instandsetzungen haben über die Jahrhunderte die Reinheit der Dachkonstruktion verletzt. Beeindruckend festzustellen, was die alten Zimmermeister und Zimmerleute über Holz, seine Auswahl, die Bearbeitung und den Abbund wussten. Das gilt auch für das Aufrichten des Dachtragwerks unter den damaligen Bedingungen.

Die Sanierungsmaßnahmen

Eine genaue Schadenskartierung legte den Umfang der Sanierung fest. Durch Fäule und nicht mehr aktiven Befall geschwächte Balkenköpfe, Stichbalken und Mauerlatten wurden ausgetauscht, lose, konstruktive Holzverbindungen mit Holznägeln aus Eiche erneuert und gelöste Verzapfungen gesichert. Das Kirchendach wurde mit Biberschwanzziegeln mit Handstrich neu eingedeckt. Noch intakte historische Dachziegel wurden in einem Dachsegment des Chores wiederverwendet. Abschließend wurden sämtliche Dachentwässerungsrinnen und Fallpunkte in Kupfer erneuert. Eine neue Wetterfahne krönt wieder das Kirchendach.

Text: Manuela Zappe
Fotos: © Andreas Riedel