Mühen, die sich lohnen

Mühen, die sich lohnen

Eine Altbaufassade in Friedenau erstrahlt in einem neuen „alten Glanz“
Wer an den Berliner Stadtteil Friedenau denkt, sieht unmittelbar vor seinem inneren Auge Bilder von schönen Altbaufassaden. Oft prägen sie ganze Straßenzüge. Dieser Charme der Gründerzeit hat seine Wirkung auf die Menschen. Und so ist und bleibt Friedenau ein beliebter Ort auch innerhalb der rasanten Veränderungen, die Berlin seit der Wende durchlebt.

Eine Fassade mit höchstem Anspruch und seine Geschichte
Das Wohnhaus in der Handjerystraße 24 kann als ein Beispiel für den höchsten Anspruch einer sogenannten Schauseite dienen. Das viergeschossige Gebäude ist zwischen den Jahren 1910 und 1911 von dem Architekten Friedrich Schultz-Heckendorf im neoklassizistischen Stil errichtet worden. Bauherr war Georg Mais, der selbst auch ein Architekt war. Da hatten sich also zwei Personen „vom Fach“ zusammengetan. Sie waren sich einig, dass sie mit dem Wohnhaus ein Beispiel gegen die zunehmende Tristesse in der Gebäudekultur setzen wollten. „Physisches Elend“ nannte der bekannte Architekturhistoriker Julius Posener diesen Trend zur seelenlosen Mietskasernenkultur, der sich in der Gründerzeit mehr und mehr breit machte. Genau gegen diesen Trend wandte sich das ehrgeizige Bauvorhaben.

Die Sanierung
Gut hundert Jahre später musste diese Fassade saniert werden. Der Auftrag an die Architekten lautete, dass die Schauseite des Gebäudes nach einer Renovierung in neuem „alten Glanz“ erstrahlen sollte. Da dieses Objekt mit seiner besonderen Geschichte selbstverständlich ein Baudenkmal ist, waren für die Aufgabe auch besondere Sorgfalt und besondere Absprachen vonnöten. Ein Restaurator untersuchte zunächst die verschiedenen Bauteile der Fassade, um die ursprüngliche Farbgebung aus der Entstehungszeit zu bestimmen, die aus den Bauakten nicht hervorging. Auf Grundlage dieses Gutachtens schlug der Architekt eine Gestaltung vor, die zunächst vom Landesdenkmalamt genehmigt wurde.

Feine Putztechniken mit Glanzpigmenten
Wie die Restauratoren herausgefunden hatten, waren ursprünglichen in den Kratzputz Glimmerpartikel eingearbeitet worden, die der Fassade eine besondere Brillanz verleihen sollten. Diesen feinen Glanz galt es, im Rahmen der Sanierung zu neuem Zauber zu entfalten. Für die Ausführung brauchte es spezielle handwerkliche Fähigkeiten. Ein Betrieb wurde engagiert, in dem zwei Putzmeister diese besondere Technik noch beherrschen. Aufgrund der Größe der Fläche verputzte der eine die linke Haushälfte, der andere die rechte. Und trotz dieser Aufteilung und der verschiedenen Ausbesserungen zwischen altem und neuem Putz ist das Ergebnis am Ende ein homogenes. So erstrahlt die Fassade nun in einem Glanz, der so scheint, als glitzere das Sonnenlicht auf dem Wasser – „wie nasser Ostseesand“, meinte ein Bewohner dazu treffend.

Behutsame Restaurierung der Details
Alte Zeichnungen halfen, die ursprüngliche Ästhetik und den ursprünglichen Anspruch auch wieder auf bauliche Details zu übertragen. So wurden anhand der historischen Akten wesentliche Teile der Fenstersprossen ergänzt. Metallornamente - wie Blumen- und Absturzgitter – erhielten eine behutsame Restaurierung und wurden mit einem goldenen Farbton beschichtet. Und auch die Eingangstür, die auf den Betrachter schwer wie ein Bronzeportal wirkt, obwohl es sich dabei „nur“ um eine Holztür handelt, die mit einem Tombakblech verkleidet wurde, behielt nach feinen Ausbesserungen ihre würdevolle Patina.